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Paradigmenwechsel: Kühlung statt Heizung

Die Architektur stehe derzeit vor einem Paradigmenwechsel, sagen Forscher der Hochschule Luzern. Denn die grosse Herausforderung bei der Planung eines Hauses werde künftig die Kühlung im Sommer sein und nicht mehr das Heizen im Winter. (Helga Rietz, NZZ 

Ein Sommer wie dieser, außergewöhnlich trocken und heiß, wird bald häufiger vorkommen. Das zeigen die Klimamodelle. Und auf einmal scheint, was heute gebaut wird, überhaupt nicht mehr zeitgemäß und so gar nicht zukunftstauglich.

Dabei dachten die Schweizer Ingenieure und Planer an die Zukunft, als sie ihre Normen definierten, die ein Haus und das Wohnen in ihm möglichst klimafreundlich machen sollten. Ohne Ölheizungen im Keller, dafür mit Erdsonden und Wärmepumpen. Kurzum: mit einem möglichst geringen CO₂-Ausstoß. Die Politiker übernahmen diese Vorgaben und schrieben sie ins Energiegesetz: Neubauten, so steht es dort, sollten möglichst wenig Wärme brauchen.

Aber alle haben sie die Zukunft ohne das Klima und dessen Wandel gedacht. Sie stellten sich die Schweiz weiterhin als ein Winterland vor. Draußen die Kälte, drinnen die Wärme.

Der wichtigste Standard ist hierzulande Minergie. In den 1990er-Jahren erdacht und getestet, gehört die Marke heute einem Verein mit Sitz in Bern. Minergie ist zum Synonym für energetisch nachhaltiges Bauen geworden.

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Ihr Fazit: “Der Anstieg der Überhitzungsstunden bleibt bei den Altbauten deutlich weniger ausgeprägt als bei den Neubauten.” Das heißt, in den massiv gebauten Wohnhäusern aus den 1920er- und 1950erJahren steigen die Temperaturen seltener über 26,5 Grad Celsius. Den größten Unterschied machen dabei die Fenster. Besteht die Fassade von Altbauten zu einem Fünftel aus Glas, ist es bei neuen Gebäuden die Hälfte.

In den untersuchten Neubauten sei, schreiben die Forscher, bis in die 2060er-Jahre mit 200, in künftigen Rekordsommern sogar mit 1000 sogenannten Überhitzungsstunden zu rechnen. Zum Vergleich: 2004 waren es gerade mal 27 Stunden, in denen es in den Stuben und Schlafzimmern unangenehm warm wurde.